Long time no hear!

Bevor wir gemeinsam ins Thema eintauchen noch kurz etwas in eigener Sache:

Hier war es viel zu lange still und neue Beiträge waren Fehlanzeige. Oft habe ich mir vorgenommen, mal wieder etwas zu schreiben. Aber wie das dann so ist: „Keine Zeit“, „Worüber überhaupt?“, „Morgen schreibe ich was!“.

Als ich Anfang 2015 diesen Blog ins Leben gerufen habe, hat es mir großen Spaß gemacht und doch habe ich es nach wenigen Beiträgen schleifen lassen. Im Nachhinein verlorene Zeit, aber so ist das leider manchmal.

Vor Kurzem habe ich mich dann mal wieder ins WordPress eingeloggt und etwas gestöbert. Neben vielen überfälligen Updates bin ich auch auf die Besucherzahlen gestoßen und musste doch etwas staunen.

Mein Beitrag über die Praktikumssuche im Silicon Valley vom 09. Februar 2015 lockt jeden Monat um die 500 Besucher an, seit seiner Veröffentlichung waren es fast 5.500 und auf Google ranked er unter dem Keyword „praktikum silicon valley“ organisch auf Platz 1.

Nicht falsch verstehen, es geht hier nicht um Eigenlob 😉 Das steht mir nach 18 stillen Monaten auch sicher nicht zu:D Dennoch war ich ziemlich überrascht und freue mich natürlich, dass der Beitrag interessierte Leser findet. Auch aus diesem Grund heißt es nun: Schweinehund überwinden, schreiben und weiter geht’s.

Google Rank des Beitrags

Google Rank des Beitrags

Was verbindet ihr mit E-Commerce?

Im Rahmen meiner bisherigen beruflichen Laufbahn hatte ich bereits mehrmals das Glück, Einblicke in stark wachsende und erfolgreiche deutsche E-Commerce Unternehmen gewinnen zu dürfen. Denkt man über das Big-Picture des E-Commerce nach, so ist es natürlich schon deutlich „leaner“ als ein stationärer Fachhändler. Es kann viel getestet und so ziemlich alles gemessen werden, es gibt kein Investment in Verkaufsräume- und personal, keine Öffnungszeiten und auch kein spezielles Einzugsgebiet. Durch das Internet und alle damit verbundenen Kanäle und Marketingmöglichkeiten, können extrem viele potentielle Kunden angesprochen werden. Grundsätzlich ein sehr agiles und flexibles Umfeld, wie ich finde.

Aber: Woran denkt ihr noch im Zusammenhang mit E-Commerce als Geschäftsmodell?

Mir fallen zum Beispiel Begriffe wie Lagerhaltung, Versand, Warenbestände, Online Marketing und die damit verbundenen Investitionen und eventuell enormen Kapitalbindungen ein. Die angesprochenen Kunden erwarten zu recht ein breites Sortiment, tollen Kundenservice und ein Paket, das am nächsten Tag im Briefkasten liegt.

Der Aufbau eines erfolgreichen E-Commerce Business kostet oft sehr viel Geld, bevor es profitabel arbeiten kann.

Ein E-Commerce Unternehmen braucht 7 bis 10 Jahre, um profitabel zu werden. – Oliver Samwer

Was heißt nun eigentlich „Lean“?

Eric Ries, Autor des Buchs "The Lean Startup" aus dem Jahr 2011

Eric Ries, Autor des Buchs „The Lean Startup“ aus dem Jahr 2011

Die Lean-Startup-Methode von Eric Ries beschäftigt sich ja bekanntlich sehr stark mit Testing, schlanken Prozessen, einem schnellen Produktlaunch, Feedbackschleifen mit Kunden und auch dem so genannten MVP (Minimum Viable Product), also dem einfachsten denkbaren und testbaren Produkt.

Ich greife hier mal die schlanken Prozesse sowie einen schnellen Launch auf. Weiterhin bedeutet „Lean“ für mich, auch ohne hohes finanzielles Investment, also mit möglichst geringen Ressourcen erste Ergebnisse in Form von Umsätze bzw. Gewinnen zu erzielen.

Nun zieht der Einkauf von Produkten, deren Lagerung sowie die Entwicklung eines (conversionoptimierten) Webshops und dessen Vermarktung aber hohe Kosten nach sich. Allein der Aufbau eines geeigneten Sortiments mit der vom Kunden geforderten Tiefe kann je nach Kategorie schnell fünf- bis siebenstellige Dimensionen annehmen.

Kann ein E-Commerce Business also überhaupt „Lean“ sein?

In den vergangenen Wochen und Monaten habe ich viele Blogs, Podcasts und Youtube Videos zu diesem Thema konsumiert. Da ich noch keine der folgenden Strategien selbst umgesetzt habe und somit bisher nur ein „Fachidiot“ bin, besteht hier kein Anspruch auf Vollständigkeit 😉 Ich freue mich deshalb über jedes Expertenfeedback von erfahrenen Entre-, Solo- und Sidepreneuren.

Wie oben beschrieben gibt es normalerweise verschiedene Positionen, die mit Kosten und Investitionen verbunden sind. Ich unterteile an dieser Stelle mal in Einkaufs- und Lagerkosten und Vertriebs- und Marketingkosten.

Stichwort Dropshipping

Um dem hohen Kapitaleinsatz im Bereich Einkauf und Lagerhaltung zu entgehen bietet sich dieses Modell an. Ich denke allein hierzu lassen sich mehrere Posts verfassen, deshalb fürs Erste schnell erklärt:

Dropshipping funktioniert in Zusammenarbeit mit einem Großhändler. Der Vorteil liegt darin, dass du weder einen eigenen Lagerbestand führst, noch für Verpackung und Versand (sog. Fulfillment) zuständig bist. Du listest die Produkte in deinem Shop und sobald ein Kunde bei dir eine Bestellung tätigt und bezahlt, leitest du diese Bestellung an deinen Großhändler/Dropshipping Partner weiter und bezahlst nur das eine Stück. Der Großhändler kümmert sich nun um den Versand der Ware an deinen Kunden, in der Regel mit deinem Firmennamen, Logo und Lieferschein. Teilweise wird auch das Retourenhandling angeboten. Die Rechnung erhält dein Kunde separat von dir. Neben dem Versand und dem Produktpreis berechnet der Großhändler nun eine Servicepauschale. Bei der Suche und Auswahl von passenden Partnern sind zahlreiche Dinge zu beachten, dazu mehr in einem der kommenden Artikel.

Der Dropshipping-Prozess. Quelle: beyond-print.de

Der Dropshipping-Prozess. Quelle: Dropshipping.de

Diese Art des Shippings bietet neben den genannten Vorteilen natürlich auch Nachteile und birgt Risiken. Der größte ist in meinen Augen die fehlende Kontrolle. Letztendlich sind Versandgeschwindigkeit und das Paket in den Händen deines Kunden ein wichtiger Bestandteil der Kundenzufriedenheit und somit der Wiederkaufsrate. Daher sollte der Partner hier auch regelmäßig selbst getestet werden.

Weiterhin musst du mit bestehenden Produkten starten und kannst nicht etwa eigene Produkte aus Asien importieren (was aber auch wieder mit einem Investment verbunden wäre). Trotzdem gehört Dropshipping für mich zu einer der smartesten Fulfillment-Lösungen für einen schlanken E-Commerce Start mit geringem Kapitaleinsatz, denn es befreit auf einen Schlag von Einkaufs- und Lagerhaltungskosten. Nicht Umsonst ist Dropshipping in den USA längst etabliert und auch in Deutschland werden zahlreiche Shops allein darüber betrieben.

Vertriebs- und Marketingkosten minimieren 

Nun kennen wir eine Möglichkeit, ohne in Vorkasse zu gehen an Produkte zu gelangen und diese an unsere Kunden zu verschicken. Aber wie sieht eigentlich ein erster Vertriebsweg aus? Macht es Sinn einen eigenen Shop aufzusetzen? Rein organisch wird sich hier nur sehr langsames Wachstum einstellen, eine schnellere Bekanntmachung würde Marketingkosten nach sich ziehen.

Es bietet sich deshalb an, mindestens zu Beginn auf bestehende Marketplaces zurückzugreifen. Zum Beispiel auf eBay und Amazon. Einige Händler sind auch ausschließlich hier unterwegs.

Auf diesen Plattformen kann sicher jeder anmelden und in der Regel kostenlos Produkte platzieren. Bei einem Verkauf wird dann eine Provision fällig. Natürlich konkurrierst du auf diesen Plattformen immer mit zahllosen anderen Verkäufern und der Wettbewerb ist groß, deshalb spielt die Auswahl der richtigen Produkte eine große Rolle. Allein dazu gibt es gefühlt eine Million Analysetools, Tipps und Strategien. Trotzdem darf man Eines nicht vergessen, ein User der auf Google nach „Topflappen“ sucht, hat nicht zwingend eine Kaufabsicht, sondern möchte vielleicht auch nur einen häkeln 😉 Sucht der User auf Amazon oder eBay, ist er gewissermaßen vorqualifiziert und beabsichtigt bereits einen Kauf. Das ist ein entscheidender Erfolgsfaktor.

Bevor ich zum Ende komme möchte ich der Vollständigkeit halber noch den Begriff „Amazon FBA“ einwerfen. FBA steht für Fulfillment by Amazon. Bei diesem System listest du dein Produkt auf Amazon und schickst eine beliebige Stückzahl an eines der Amazon Lager. Wird dein Produkt gekauft, kümmert sich Amazon um den (Prime-) Versand, Kundenkontakt und mögliche Retouren. Das funktioniert natürlich nicht in Kombination mit Dropshipping sondern erfordert ein (zumindest kleines) Investment.

Dem Thema Amazon FBA möchte ich in Zukunft noch detaillierte Artikel zu verschiedenen Aspekten widmen.

Wollt ihr Dropshipping und Amazon vereinen, geht das per Amazon FBM (Fulfillment by Merchant). Hier bestellt der Kunde auf Amazon und Euer Großhandelspartner übernimmt den Versand.

Fazit:

E-Commerce und „Lean“ schließen sich in meinen Augen keineswegs aus. Natürlich ist es ein komplett unterschiedlicher Ansatz, ob ich nun ein Zalando aufziehen oder nach und nach ein Nebeneinkommen oder sogar meinen persönlichen Lebensunterhalt mit E-Commerce verdienen möchte. Ersteres ist mit den genannten Methoden sicher eine „Herausforderung“ 😉

Trotzdem seht ihr, dass es inzwischen zahlreiche Möglichkeiten, Services und Vertriebsstrategien gibt, die einen schlanken Start im E-Commerce und je nach Budget langsam oder auch schnell ein organisches Wachstum ermöglichen.

Ich weiß, dass sich viele von Euch mit den genannten Themen beschäftigen und freue mich über Kommentare, Feedback und Kontaktaufnahmen per E-Mail unter julian@noell.vc.

Viele Grüße

Julian

P.S. Wie die #1 im Titel erahnen lässt, soll dieser der erste Artikel einer Themenreihe sein.

P.P.S. Ich nehme mir hiermit vor, den nächsten Artikel nicht erst in 18 Monaten zu veröffentlichen 😉


Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Related Posts

Online Business

Ist AmazonFBA die eierlegende Wollmilchsau um nebenberuflich durchzustarten?

Wichtig vorab: Dieser Artikel beruht noch nicht auf eigenen Erfahrungen. Es geht zunächst um meine Einschätzung zum Thema AmazonFBA basierend auf meinen Recherchen und dem Austausch mit erfolgreichen Sellern. Du liest also die Meinung eines Read more…

Online Business

15 ultimative Tipps für erfolgreiches E-Mail Marketing

In meinen Augen ist E-Mail Marketing einer der wichtigsten Kanäle im Online-Marketing.   Da ich mich während meines Praktikums sehr genau mit dem Thema beschäftigt habe, möchte ich dir heute die aus meiner Sicht wichtigsten Read more…