In meinen Augen ist E-Mail Marketing einer der wichtigsten Kanäle im Online-Marketing.

 

Da ich mich während meines Praktikums sehr genau mit dem Thema beschäftigt habe, möchte ich dir heute die aus meiner Sicht wichtigsten Tipps für erfolgreiches E-Mail Marketing aufzeigen.

 

Doch lass uns mit ein paar Grundlagen starten.

Was ist E-Mail Marketing?

 

Die Kommunikation per E-Mail war eine der ersten Anwendungen, die es im Internet überhaupt gab und zählt auch heute noch zu den am meisten genutzten. Es ist also nicht verwunderlich, dass E-Mails bereits früh als Online-Werbemittel eingesetzt wurden und auch heute noch einen sehr wichtigen Baustein im Online-Kommunikations-Mix bilden.

 

Aber was genau wollen Unternehmen mit E-Mail Marketing eigentlich erreichen?

 

Diese Grafik stammt zwar aus einer bereits 2012 durchgeführten Studie, trotzdem gibt sie die grundsätzlichen Ziele sehr gut wieder:

 

Marketing Trends Survey 2012

Quelle: Strongmail 2012 Marketing Trends Survey

 

Wie wir sehen, geht es Unternehmen beim Einsatz von E-Mail Marketing vorrangig um den Aufbau einer Kundenbindung und Kundenbeziehung. Erst untergeordnet werden auch Ziele wie die Erhöhung von Bekanntheit und Umsatz oder Neukundengewinnung angesehen.

 

Doch warum eignet sich gerade E-Mail Marketing so gut für den Aufbau von langfristigen und profitablen Kundenbeziehungen?

 

Die Vorteile liegen auf der Hand.

 

Wenn ich das Instrument richtig einsetze, habe ich die Möglichkeit meine Empfänger (potenzielle Kunden) sehr zielgruppenorientiert und personalisiert anzusprechen. Dadurch kann ein enger Kontakt und eine Konversation mit dem Empfänger entstehen, wodurch sich dieser verstanden und enger an das Unternehmen gebunden fühlt.

 

Weitere Vorteile sind auf jeden Fall die große Reichweite zu überschaubaren Kosten (gerade im Vergleich zu klassischen Mailings) und die sehr genaue Messbarkeit von E-Mail Marketing. Doch zum Thema Messbarkeit und Testen komme ich später noch genauer.

 

Werfen wir zunächst einen Blick auf die unterschiedlichen Formen von E-Mails, die wir für unser Marketing verwenden können.

 

Formen von E-Mail Marketing

 

Jede von einem Unternehmen automatisch generierte und versandte E-Mail ist dem E-Mail Marketing zuzuordnen.

 

Newsletter

 

Das Versenden von regelmäßigen (täglichen, wöchentlichen, monatlichen oder vierteljährlichen) Newslettern wird oft und gerne genutzt um das Markenimage zu festigen und den Empfänger über Neuigkeiten aus und um das Unternehmen zu informieren.

 

Hier ist zu beachten, dass du neben einem wiederkehrenden Design und Layout auch auf die Verwendung der gleichen Informationskategorien achten solltest.

 

Als Unternehmen kann ich beispielsweise monatlich über News und Pressemeldungen, anstehende Events und Messen, offene Stellen und gewonnene Awards informieren. Dadurch erhält der Empfänger immer wieder eine ähnliche E-Mail und kann sich mit der Zeit gut orientieren.

 

Generell gilt: Informationen sollten recht kurz und prägnant zusammengefasst werden und auf eine passende Landing Page mit weiteren Informationen verlinken.

 

E-Mailing / Stand Alone Mailing

 

E-Mailings verfolgen in der Regel ein sehr spezifisches Thema und sollten deshalb auch immer zielgruppenspezifisch geplant werden. Inhaltlich kann es beispielsweise um eine Einladung zu einem bestimmten Event oder die Ankündigung eines neuen Produktes gehen.

 

Solche Mailings dürfen beim Design themenbezogen gestaltet werden und können auch untereinander variieren.

 

Ich empfehle außerdem speziell in diesem Fall die Anwendung der AIDA-Formel (mehr in den Tipps) und den Einsatz eines deutlichen Call-to-Action (Handlungsaufruf/Button) mit einer Weiterleitung zu einer passenden Landing Page. Diese kann zum Beispiel ein Anmeldeformular zum Event oder eine Produktvorbestellung beinhalten.

 

Transaction- und Triggermails 

 

E-Mails aus dieser Kategorie werden durch eine Handlung des Nutzers automatisch ausgelöst und versendet. Es kann sich um Bestell- oder Versandbestätigungen, Geburtstagsmails oder eine Passwort vergessen-Anfrage handeln.

 

Transaction- und Triggermails sollten beim E-Mail Marketing keinesfalls vernachlässigt werden.

 

Da der Nutzer einen besonderen Mehrwert aus dieser Art von E-Mails zieht, entstehen natürlich deutlich höhere Öffnungs- und Klickraten als bei E-Mailings oder Newslettern.

 

Aus meiner Sicht ist es deshalb durchaus empfehlenswert, diese E-Mails mit unaufdringlichen werblichen Botschaften zu versehen.

 

Sende doch mal testweise einen kleinen Gutschein oder den Hinweis auf verwandte Produkte mit jeder Bestellbestätigung um zu beobachten, ob sich dadurch Up- oder Cross-Selling-Potenziale zeigen.

 

Genug von den Basics und hin zu meinen 15 ultimativen Tipps für erfolgreiches E-Mail Marketing.

 

1. Tipp: Formulare – Keep it simple

 

Nutzer sind heutzutage auf Datenschutz und eine einfache Bedienung bedacht.

 

Meine Devise bei Anmeldeformularen (z.B. für Newsletter) ist deshalb: So wenig Felder wie möglich und so viele wie nötig. Dir reichen schon die E-Mail Adresse und der Name eines Nutzers, um ihn persönlichen ansprechen zu können.

 

Bei allen Informationen die für dich ein Nice-to-have, aber nicht unbedingt notwendig sind, solltest du die Felder entweder als freiwillig markieren oder gleich weglassen.

 

2. Tipp: Right Data statt Big Data

 

Es zeigt sich ein klarer Trend weg von „viel hilft viel“, dazu die „richtigen Nutzer mit den richtigen Inhalten zu versorgen“.

 

Betreibst du also einen Online-Shop für Tierfutter, sende die Informationen über ein neues Hundefutter auch nur den Hundebesitzern aus deinem CRM-System.

 

Diese sind natürlich interessierter und die Katzenbesitzer werden dir unwissentlich danken, dass du sie mit einer irrelevanten Information verschont hast.

 

3. Tipp: Guter Content ist Pflicht

 

Achte bei deinen E-Mails, egal ob Newsletter oder Stand Alone Mailing, darauf nur relevanten Content zu verwenden. Passend zum zweiten Tipp, nur die richtigen Nutzer anzusprechen, solltest du diesen Nutzern auch nur Content anbieten, der ihnen Mehrwert bietet.

 

Sende niemals eine E-Mail nur der E-Mail wegen. Deine Nutzer werden es dir danken.

 

4. Tipp: Wähle Absender & Betreff mit Bedacht

 

Als erstes nimmt dein Empfänger den Absender und den Betreff wahr. Hier entscheidet er sich zwischen Papierkorb und dem Öffnen der Nachricht.

 

Halte dich deshalb an einige Regeln um die Öffnungsrate zu steigern.

 

Deine Betreffzeile sollte weder nur GROßBUCHSTABEN, noch sogenannte Spam-Wörter (Hier eine Liste) enthalten um nicht unseriös zu wirken.

 

Außerdem hat sich gezeigt, dass dein Betreff maximal 50 Zeichen lang sein und das wichtigste an den Anfang stellen sollte.

 

Bezogen auf den Absender ist generell ein seriöser Auftritt wichtig. Mach dem Empfänger deutlich, von wem deine E-Mail stammt.

 

5. Tipp: Nutze die persönliche Ansprache

 

Bei Personalisierungen geht es darum, im Betreff oder der eigentlichen E-Mail konkrete Daten des Empfängers (Name des Empfängers, Firmenname, letzter Kontakt usw.) einzubinden. Wie bei einem Serienbrief.

 

Achte aber darauf, dass dir diese Daten auch von allen Empfängern des E-Mail Verteilers vorliegen, ansonsten erscheinen meist unschöne Platzhalter wie „Hallo [Vorame]“.

 

6. Tipp: AIDA Modell anwenden

 

Das AIDA Modell ist dir vielleicht schon ein Begriff und das Prinzip zur Gestaltung von Werbetexten lässt sich hervorragend auf E-Mails übertragen.

 

Es geht darum, den Empfänger durch vier Phasen zu einer gewissen Handlung zu verleiten. diese vier Phasen sind:

 

Attention: Errege Aufmerksamkeit durch eine gute Betreffzeile oder einen Attention-Grabber (z.B. ein auffälliges Bild) am Anfang der E-Mail.

 

Interest: Sorge dafür, dass sich der Empfänger für dein Anliegen interessiert. Hierfür eignen sich beispielsweise Zahlen und Fakten sehr gut.

 

Desire: Das Bedürfnis und der Wunsch, das Produkt zu besitzen muss nun beim Empfänger geweckt werden. Nutze Anwendungsbeispiele oder Referenzen, die dem Empfänger zeigen was er mit dem Produkt anstellen kann und welchen Mehrwert es ihm bietet.

 

Action: Hier sollte immer ein Call-to-Action, also eine eindeutige Handlungsaufforderung (z.B. in Form eines Buttons), eingebunden werden. Nachdem du das Bedürfnis beim Empfänger geweckt hast, leitest du ihn nun zum Kauf (oder Registrierung etc.).

 

7. Tipp: Setze smarte Ziele

 

Bei der Zielformulierung deiner Kampagne kannst du wunderbar die Methode der „smarten Ziele“ verwenden.

 

Deine Ziele sollten also spezifisch, messbar, aktionsbasiert, realistisch und terminiert sein. Eine genaue Erklärung dieses Modells gibt es hier.

 

8. Tipp: Der Zeitpunkt beeinflusst den Erfolg

 

Der Versandzeitpunkt spielt eine sehr wichtige Rolle, denn es gibt statistisch belegt nun mal Zeiten und Tage, zu denen E-Mails eine besonders hohe Öffungs- und Klickrate erreichen.

 

Laut einer Auswertung von 21 Millionen E-Mails durch GetResponse erzielen E-Mails zwischen 8 und 10 Uhr bzw. 15 und 16 Uhr eine um sechs Prozent höhere Öffnungs- und Klickrate.

 

Wenn es um den Tag geht, solltest du laut einer Studie von MarketingSherpa Dienstag, Mittwoch oder Donnerstag bevorzugen, wobei der Dienstag am besten abschneidet.

 

E-Mail Marketing Benchmark Survey von Marketing Sherpa

E-Mail Marketing Benchmark Survey von Marketing Sherpa

 

 9. Tipp: Nutzt das richtige Tool

 

Für ein einfaches Handling deiner E-Mails und überschaubare Kosten solltest du dir den Anbieter für dein E-Mail Marketing genau aussuchen. Hier findest du einen Testbericht mit den besten Tools.

 

Ich persönlich bin mit CleverReach sehr zufrieden und kann diesen Anbieter unter anderem wegen des sehr guten Editors empfehlen.

 

10. Tipp: Leite potenzielle Kunden mit Marketing Automation durch den Marketing Tunnel

 

Der Begriff Marketing Automation meint die Automatisierung des Marketingprozesses. Im Bezug auf E-Mail Marketing heißt das, dass deine Empfänger in bestimmten zeitlichen Abständen zuvor definierte E-Mails automatisch erhalten.

 

Dies sorgt dafür, dass du zu dem gleichen Thema regelmäßig in den Posteingängen deiner Empfänger landest.

 

Möchtest du zum Beispiel deine neue SaaS (Software as a Service) Lösung an potenzielle B2B-Kunden vermarkten, sendest du ihnen als erstes eine Produktinformation, alle Personen die deine E-Mail geöffnet haben erhalten völlig automatisch drei Tage später eine Infografik und wiederum drei Tage später ein kostenloses Webinar usw.

 

Sales/Marketing Tunnel

Sales/Marketing Tunnel

 

Das beschriebene Prinzip wird auch als Sales/Marketing Tunnel bezeichnet und soll potenzielle Kunden nach und nach zu Neukunden werden lassen.

 

11. Tipp: E-Mails müssen auch für mobile Nutzer gut aussehen

 

Eine besonders wichtige Regel ist die Optimierung deiner E-Mails für mobile Endgeräte wie Tablets und Smartphones.

 

In Deutschland gibt es ca. 35 Millionen mobile Internetnutzer.

 

Laut einer Studie von BlueHornet löschen 70% der mobilen Nutzer eine E-Mail, die nicht für ihr Gerät optimiert ist und für 75% wirkt sich das fehlende Responsive Design sogar schlecht auf dein Markenimage aus.

 

Du solltest also unbedingt auf die Anpassung von Layout und Bildern für mobile Endgeräte achten.

 

 12. Tipp: Teste verschiedene E-Mail Clients

 

Es gibt eine Menge verschiedener E-Mail Clients. Du solltest deine E-Mail zumindest in den beliebtesten Testen und sicherstellen, dass diese dort ordentlich dargestellt wird.

 

Neben den mobilen Clients für iPhone, iPad, Android oder Windows solltest du hier mindestens mit Microsoft Outlook und Apple Mail testen. Auch die Browservarianten von Gmail, Yahoo Mail und Outlook.com sind gern genutzt.

 

Tipp: Setze einen Link zur Browseransicht in deine E-Mail. Die meisten Versandtools tun dies automatisch.

 

13. Tipp: Betreibe Re-Marketing

 

71% aller Bestellprozesse in Online-Shops werden abgebrochen, nur 8% der potenziellen Kunden kehren zurück.

 

Du kannst diese Nutzer an dich und deinen Shop (vergleichsweise Anmeldeseite etc.) erinnern, indem du die E-Mail Adresse während des Bestellprozesses speicherst.

 

Sollten sie den Prozess abbrechen, sendest du einen Reminder, eventuell mit einem kleinen Gutschein. Die Statistik sagt, durch Re-Marketing lässt sich die Rückkehrer-Quote von 8% auf 26% steigern.

 

14. Regel: Rechtliche Do’s & Dont’s

 

In Deutschland und der EU gibt es für alles Regeln und Gesetze, so auch für das versenden von (ge)werblichen E-Mails.

 

Zu beachten sind hauptsächlich drei Punkte:

  • Nutze das Double-Opt in Verfahren. Nutzer die sich auf deiner Webseite für einen Newsletter anmelden, erhalten eine E-Mail mit einem Bestätigungslink. Erst nach der Bestätigung darfst du sie mit E-Mails beliefern.
  • Setze ein Impressum an das Ende deiner E-Mail.
  • Vergiss den Unsubscribe Link nicht, damit sich Nutzer selbstständig abmelden können.

 

15. Tipp: Messen, messen, messen

 

Last but not least solltest du einen großen und am Anfang genannten Vorteil des E-Mail Marketing für dich nutzen.

 

Du erhältst massenweise Daten über die Öffnungs-, Klick-, Bounce- und Abmelderaten deiner Empfänger.

 

Schau dir diese Daten genau an und probiere ruhig auch mal einen A/B Test (Zwei vergleichbare Empfängergruppen erhalten eine identische E-Mail, die sich in nur einem Merkmal wie Betreff, Versandzeitpunkt oder Call-to-Action unterscheidet) aus.

 

So erfährst du mehr über deine Empfänger und kannst zukünftige E-Mail Kampagnen besser ausrichten.

 

Fazit

 

Herzlichen Glückwunsch und vielen Dank!

 

Wenn du hier angekommen bist, hast du hoffentlich manches erfahren, was du noch nicht über E-Mail Marketing wusstest.

 

Welche Tipps hältst du für wichtig und welche weniger? Was fehlt noch? Sind während des Lesens Fragen aufgetaucht?

 

Ich freue mich auf deinen Kommentar oder eine E-Mail an julian@noell.vc.

 

Viele Grüße und danke fürs Lesen!

 

Julian

 

P.S. Wenn du noch mehr über E-Mail Marketing und Online Marketing insgesamt lernen möchtest, kann ich dir das Buch „Erfolgreiche Websites: SEO, SEM, Online-Marketing, Usability“ von Galileo Computing ans Herz legen.


3 Comments

Manuel · 19. Januar 2015 at 9:19

Hey Julian, wenn ich noch ergänzen darf. AWeber (www.aweber.com) ist meiner Meinung nach ein relativ gutes E-Mail Marketing Tool.

Beste Grüße
Manuel

    Julian · 19. Januar 2015 at 9:26

    Hi Manuel und danke für den Tipp! Viele Grüße Julian

Gaby Engelbart · 19. Mai 2016 at 20:47

Hi, Julian. Danke für den Artikel. Wirklich sehr umfangreich und informativ. Ich habe gerade auch einen interessanten Artikel zu diesem Thema gelesen: http://weiter-lesen.net/1937/besseres-e-mail-marketing/

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